Vernetzung und Digitalisierung

Cruisen in der erweiterten Realität

Von Karl-Heinz Möller · 2016

Leben mitten im digitalen Zeitalter ist längst Realität. Smartphones sind die ständigen Begleiter. Wir kommunizieren permanent, wollen nichts verpassen. Auch über der Stadt spannt sich das unsichtbare aber ständig präsente Netz der Kommunikation. Die Metropole der Zukunft ist ein voll vernetztes Gebilde. Für ihre Bewohner bedeutet das Chance, Versuchung und Risiko zugleich.

 Ein Mann und eine Frau mit VR-Brillen betrachten das Modell einer Stadt.
Neue Gemeinschaften entstehen im digitalen Workflow.

Mit dem Smartphone verfügen Bürger mittlerweile über eine feine Antenne zur Stadtrealität. Und sie sind bereits ein Teil von ihr. 84 Prozent der Deutschen sind online laut einer aktuellen Studie von ARD und ZDF. Auch die Nutzung mobiler Geräte sowie Audios und Videos habe in 2016 stetig zugenommen, beispielsweise von TV-Inhalten und Audioangeboten, so die Marktforscher der Medienkommission. Einen enormen Schub gibt es bei der Unterwegsnutzung: So gehen 28 Prozent der Bevölkerung (19 Millionen) täglich unterwegs ins Internet, sei es in der Bahn, im Café oder bei Freunden – das sind zehn Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr.

Der transparente Bürger kann anzeigen, wo städtische Infrastruktur verbesserbar ist

Datenbasiertes Wissen und dessen Nutzung machen die Städte und ihre Menschen berechenbar. Bewegungsströme, Energieverbrauch, Infrastrukturauslastung und Nutzungsverhalten liegen als Daten vor, soweit sie nicht individuell zuordenbar sind. Werden sie sorgfältig analysiert, ermöglichen sie bald eine wesentlich bessere Steuerung des Systems Stadt. Diese Möglichkeiten bietet bereits die Gegenwart. Der gläserne Bürger mit allen Vor- und Nachteilen ist existent.

Auch die Behörden öffnen sich und etablieren unter dem Begriff E-Government die elektronische Abwicklung von Geschäftsprozessen der öffentlichen Verwaltung und Regierungen. Städte wie Berlin, Hamburg und Köln entwickeln Strategien mit dem Fokus auf Nutzenorientierung für Bürger, Unternehmen und Verwaltung. Unter wissenschaftlicher Begleitung wird beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut FOKUS an einer zukunftsorientierten eGovernment-Architektur gearbeitet.

Smart Grid ist dagegen eine nahe Zukunftsvision: Die von Häusern produzierte überschüssige Energie wird über das Smart Grid intelligent verteilt. Solche Modelle existieren bereits in der Praxis. Wird mehr Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugt als verbraucht wird, kann diese verteilt werden. Dank der exponentiell wachsenden Übertragungsgeschwindigkeiten kann beispielsweise in einer Großstadt Energie aus peripheren Vororten bedarfsgerecht in das Zentrum fließen.

Auf dem Weg durch die Stadt im virtuellen Raum

Eine Stadt der Zukunft bietet wissenschaftlichen Institutionen und Unternehmen innovative Infrastrukturen. So wird das Internet der Dinge auf der Projektionsfläche von hohem Beschäftigungsgrad und innovativen Arbeitsplätzen real. Ein Beispiel dafür ist die Region Rhein-Neckar mit einem Netzwerk von 28 eng vernetzten Partnern, zu denen Start-Ups, Fabriken und Hochschulen zählen.

In der vernetzten Stadt liegen mehrere Schichten von Netzen übereinander, die sowohl vertikal als auch horizontal miteinander kommunizieren. Im sogenannten Ubiquitous Computing, (kleinste drahtlos permanent miteinander verbundene Geräte) können so verschiedenste Gebäude gleichzeitig effizient gesteuert und betrieben werden. Klimaanlagen, Heizungen und Jalousien von Wohnungen und Garagen sowieso.

Wie auf einer Fahrt durch einen dreidimensionalen Raum führt der Weg durch die digitale Stadt. Sie zeigt jeden Winkel, so wie er in diesem Augenblick tatsächlich aussieht. In Form einer erweiterten Realität (Augmented Realitiy) geht dies von jedem aktuellen Standort aus. Ob bei der Suche nach einem Parkplatz oder nach nützlichen Hinweisen zu Gebäuden von Interesse. Die Stadt wird mit Augmented Reality zum begehbaren Raum.

Vernetzung verleiht der Stadt der Zukunft eine Dynamisierung, die ihre Bewohner näher zueinander bringen kann. Im digitalen Workflow entstehen neue Gemeinschaften. Sie heißen Car-Sharing-Modelle, Urban-Garden-Communities, Co-Working-Spaces, Time-for-Care-Projekte oder Crowdfunding-Initiativen. Kooperative Finanzierungsmodelle treten den Kommunen bei und beteiligen die Menschen an der Raumplanung. Der Bürger wird zum Stadtgestalter.

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