Logistik 4.0

Der Autopilot ist keine Utopie

Von Andreas Taler · 2014

Gleise mit Lichtreflexionen; Thema: Logistik 4.0

Mehr Städter, mehr Singles – die Lieferungsmengen werden kleiner, die Lieferfrequenzen werden höher. Doch die Infrastruktur der Städte bleibt gleich. Die Logistikindustrie stellt das in Zukunft vor immense Herausforderungen. Das rückt revolutionäre Konzepte wie selbstfahrende Paketautos und Liefer-Drohnen in immer greifbarere Nähe.

Bürger wollen einkaufen, Händler brauchen Ware, Unternehmen benötigen Material und den Abtransport ihrer Güter, Abfall muss entsorgt werden und Dienstleister müssen für ihre Kunden erreichbar sein. Das alles erzeugt in einer Stadt Verkehr und sichert die Versorgung ihrer Einwohner. „Die Summe der gewerblich motivierten Verkehrsbewegungen steht für rund 25 bis 30 Prozent der Mobilität in der Stadt“, heißt es in einer Studie, die im Auftrag der ihk Region Stuttgart für die baden-württembergische Landeshauptstadt erstellt wurde. Um Probleme wie permanente Verkehrsüberlastung, Verspätungen, Umweltverschmutzung und Lärmemission in den Griff zu bekommen, werden intelligente Lösungen für den urbanen Raum der Zukunft von immer größerer Bedeutung. Auf diese Herausforderungen muss sich auch die Logistikindustrie einstellen. Dabei muss sie zwei Entwicklungsstränge im Auge haben, mit denen die Gesellschaft zunehmend konfrontiert ist: den demografischen Wandel und die zunehmende Anzahl an Single-Haushalten.

Logistik 4.0: Individualisierung gibt den Takt vor

„Damit haben wir viele kleinere Haushalte, die Lieferungsmengen werden kleiner, und die Lieferungsfrequenzen immer höher“, sagt Volker Lange, Leiter Verpackungs- und Handelslogistik beim Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML). Das Problem sei, dass die Infrastruktur einer Stadt schwer veränderbar ist, was die Logistikbranche wiederum vor große Herausforderungen stellt. Zusätzlich muss sich die Branche mit der steigenden Individualisierung der Gesellschaft auseinandersetzen. Lange: „Es wird alles individueller. Dies führt dazu, dass die transportierte Menge größer wird, die Auslastung der Lkw aber eben nicht steigt, sondern im Gegenteil sogar abnimmt.“ Wie aber kann die Logistikbranche auf solche Veränderungen reagieren? Wie funktioniert der Wirtschaftsverkehr, welche Maßnahmen muss eine Stadt heute für einen funktionierenden Innenstadtverkehr ergreifen? Wesentlich ist, dass der Transportunternehmer sich rechtzeitig anpasst, der Handel mit Ware versorgt wird, seine Lage halten kann und der Bürger noch gerne in die Stadt kommt, konstatieren Logistikexperten aus der Sicht ihrer Branche. Ihnen geht es vor allem darum, alle Akteure in einer Stadt wie Transport- und Handelsunternehmen, Bürger sowie die öffentliche Hand im Auge zu haben und deren Forderungen und Bedürfnisse aufeinander effizient abzustimmen.

Liefern statt Lagern

Nach Untersuchungen von Marktforschern gibt es dabei eine Reihe an speziellen Herausforderungen, die die Stadt der Zukunft bewältigen muss. So könnte die Position eines Wirtschaftsverkehrsbeauftragten als zentrale Lenk- und Leitstelle geschaffen werden. Weitere Probleme wie etwa das Problem der minimierten Lagerhaltung sind zu lösen. Lager sind in der Innenstadt sehr teuer und es müsse darum gehen, immer die neuesten Produkte im Umlauf zu haben. Es werde nicht mehr gelagert wie früher. Heute und in Zukunft werde dies über den Transport, über die Logistik geregelt. Wichtig wäre es zu erfassen, wo der Lieferverkehr stattfinden kann, denn darüber gebe es meist keine ausreichenden Informationen. Viele Unternehmen wüssten überhaupt nicht, wann sie wo in welche Innenstadt fahren dürfen. Und überhaupt, wie wird es mit den Fahrzeugen in der Stadt der Zukunft aussehen? Werden selbstfahrende Autos oder gar fliegende Drohnen-Kuriere das Bild bestimmen? Für Jürgen Leohold, Chef der VW-Konzernforschung, ist klar: „Der Autopilot ist keine Utopie mehr.“ Sein Szenario: Das Auto wird schlauer, lenkt sich selbst, kommuniziert mit anderen und wird sauberer, bleibt aber Teil der Mobilitäts- und Logistikkonzepte. Fakt ist, dass das komplett vom Computer gesteuerte Auto Teil der Innovationen ist, mit denen die Industrie die Zukunft anpeilt. Etwa im Bereich der Elektro-Autos, die auch die etablierten Logistikwege vor völlig neue Herausforderungen stellen. Einschlägige Studien weisen darauf hin, wonach derartige Fahrzeuge auf kurzen Distanzen im innerstädtischen Bereich durchaus Sinn machen. So würden Kurierdienste etwa im Schnitt pro Tag rund 35 Kilometer fahren – und bis zu 400 Mal anhalten.

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