Nachhaltige Investitionen in Infrastruktur

Der Lack ist ab

Von Paul Trebol · 2016

 Planierwalze beim Straßenbau

Kaputte Straßen, rostige Brücken, marode Schienen, lahme Kommunikationswege sind seit Jahren ein Dauerthema. Zu diesen wirtschaftsnahen Komplexen kommen immateriellen Strukturen wie Bildung, Forschung und Gesundheit, die hierzulande ebenfalls vernachlässigt wurden. Nun soll die Zukunft besser und nachhaltiger werden. Aus alt mach neu.

Die viertgrößte Wirtschaftsnation nach den USA, China und Japan schwächelt in Bezug auf die Infrastruktur erheblich. Was bedeutet dies ökonomisch und kulturell? Viele Einrichtungen hierzulande, die per Definition zur Grundausstattung einer Volkswirtschaft gehören und als Vorleistung des Staates aufgefasst werden, funktionieren nicht mehr oder sind ineffizient. Typische Beispiele sind Verkehrsnetze (Straßen, Brücken, Autobahnen, Schienen- und Wasserwege) sowie Versorgungseinrichtungen (Energie, Kommunikationsnetze). Ohne sie stottern Güterproduktion und Dienstleistung, die Stadt der Zukunft rückt ohne ein nachhaltiges Konzept in weite Ferne.

In der Betrachtung einer Gesamtinfrastruktur gehören zu den eben genannten realen Elementen der Infrastruktur die immateriellen Faktoren. Hierzu zählen der Aufbau von Humankapital, beispielsweise via Bildungswesen wie Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen, aber auch Gesundheits- und andere soziale Dienstleistungen wie die Sicherheit. Institutionelle Strukturen wie Rechts- und Sozialordnung sind ein weiterer wichtiger Bestandteil. In wachsenden Städten gibt es hierzulande einen steten Nachholbedarf und Gründe für Nachbesserung. Grund: Komplexe Entscheidungsprozesse auf der politischen Ebene verzögern die Umsetzung.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit verläuft ein breiter Graben

Vor allem in den aktuell schnell wachsenden Metropolen treten die Defizite deutlicher und heftiger als anderswo hervor. Hier gibt es mehr Brücken, mehr Straßen, mehr Verkehr und vor allem mehr Menschen. Meilenweit entfernt zum Modell „Stadt der Zukunft“ ist es eher noch eine Fata Morgana. Mit traumhaft vielen Grünflächen und Wasseradern, mit wenig Feinstaub- und Kohlendioxidgasen, verkehrsberuhigt und sicher, urban und kiezig, nachhaltig bebaut mit Passivhäusern, bewegt per E-Mobil und Fahrrad, gesegnet mit familienfreundlichen Arbeitsplätzen und Kitas, intensivem Nachtleben und durchdrungen von einer mediterranen Kaffee- und Restaurantkultur.

Die Wirklichkeit zeigt sich bisweilen noch völlig anders. Schlaglöcher, Staus, E-Mobile auf der Suche nach der einen Steckdose, Radfahrer im Kampfmodus, rauchende Lastkraftwagen und überfüllte Busse, Züge poltern langsam voran. Gewagt fahren sie über rostige Brücken und Gleise. Ein Stück harte Arbeit liegt vor diesem Land.

Ob mit Sandstrahlgebläse, Dampfstrahler oder mit der Stahlbürste muss beispielsweise eine Brücke, von denen es in einer Stadt wie Berlin 2100 an der Zahl gibt (in Hamburg sind es laut Statistischem Bundesamt 2496, in München 1000), muss erst einmal von Korrosionsrückständen befreit werden. Dann folgt die Beschichtung, wenn es gründlich gemacht werden soll.

Angebot und Nachfrage orientieren sich nicht nach der Rendite

Bei Infrastrukturobjekten geht es in der Regel um große Investitionsvorhaben mit hohem Kapitalbedarf. Die Projekte sind typischerweise nicht beliebig teilbar. Aus vielerlei Gründen ist oft eine Mindestgröße oder -leistung erforderlich (Kraftwerke). Die Breite des Angebots kann sich selten nach dem geringsten Bedarf richten, sondern wird auf eine wahrscheinliche durchschnittliche Nutzung ausgelegt (Taktzeiten Busse und Bahnen). Es wird eine bestimmte Menge an Leistung vorgehalten. Sie hängt nicht davon ab, ob die Nachfrage zu jedem Zeitpunkt gleich ist (Krankenhäuser).

Gute Infrastruktur kann auch Folgen für die Stadtbewohner oder die Zugereisten nach sich ziehen. Als externe Effekte steigern gute Verkehrsanbindungen und Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen die Attraktivität. Höhere Mietpreise und Lebenshaltungskosten wären negative externe Effekte. Die Eigentümer von Immobilien würden profitieren (positiv externe Effekt). Auch eine verbesserte Verkehrsanbindung beeinflusst die Situation, wenn zunehmender Verkehr die Lebensqualität mindert.

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