Megathemen

Feines Leben in der Werkstatt

Von Karl-Heinz Möller · 2014

Übergroße Hand zeichnet die Wolkenkratzer einer Stadt. Thema:

Die Wünsche an eine Metropole sind so vielfältig wie widersprüchlich: Sie soll pulsieren, trotzdem Ruhe bieten. Schön viele Parks und Grünflächen haben, dennoch kurze Verkehrswege bieten und Konsum total ermöglichen. Sie soll gemütlich, pittoresk und gleichzeitig hip sein, andererseits großstädtisch und modern. Solch eine Stadt der Zukunft wird es in der Realität so wenig geben wie in der Gegenwart. Aber das Streben nach der perfekten Urbanisation bleibt ein ehrgeiziges Projekt mit Modellcharakter.

Auf die Frage, wie wir morgen leben wollen, gibt es tausendundeine Antwort. Gleichwohl wird offensichtlich, dass es eine Mehrheit der Menschen in die Stadt zieht. Bereits heute leben mehr Menschen in Städten als in ländlichen Regionen, Tendenz zunehmend. Gut vorstellbar, welche Brisanz in dieser Konstellation steckt. Darüber hinaus müssen die Städte dem demografischen Wandel begegnen. Ganz zu schweigen vom Klimawandel und seinen extremen Wetterkapriolen, der die Entscheider und Bewohner in den Metropolen herausfordert.

Megathemen sind Versorgung, Vernetzung, Mobilität, Digitalisierung

Damit Städte auch morgen attraktive Lebensräume bieten, ist die Beschäftigung mit dem Thema „Stadt der Zukunft“ immanent. Alleine die rasanten Entwicklungen im Bereich Energie provozieren fast täglich neue Optionen und Alternativen. Wo werden Strom und Wärme morgen herkommen, nach welchen Kriterien gehen sie in welches Netz, wie viel davon ist überhaupt nötig? Immer wieder neue Antworten verlangt die Güterversorgung. Malls vor der Stadtgrenze sind hierzulande ein Auslaufmodell oder werden zu Fachmärkten. Verbraucher wollen möglichst das komplette Programm direkt vor der Tür. Die Online-Konkurrenz lässt grüßen.

Versorgung, Vernetzung, Mobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit lauten demnach die Megathemen. Dreh- und Angelpunkt ist die Energiewende. Die Energieversorgung der Zukunft ist dezentral. Sie wird hauptsächlich mit erneuerbaren Energiequellen erfolgen. Wie weit dieser Prozess fortgeschritten ist, belegt ein Ereignis im Juni dieses Jahres: Erstmals lieferten die Erneuerbaren Energien den größten Anteil an der erzeugten Gesamtstrommenge. Mit dem weiteren Ausbau von beispielsweise Windparks, Photovoltaik- und Biogasanlagen dürfte die Skepsis gegenüber diesen Technologien verschwinden. Immer preiswertere und leistungsfähigere Speichersysteme sorgen dafür, dass auch in Zeiten mit zu viel Wind und Sonne die Energie nicht verloren geht und Reserven für ungünstige Wetterlagen parat stehen. Im gesamten Energiemix runden effiziente Gas- und Wasserkraftwerke die Palette ab und sorgen zukünftig für Energiekontinuität.

Digitale Kommunikation beschleunigt die Prozesse

Mit der auf geniale Weise in der Region weit vor den Toren der Städte produzierten Energie, zum Beispiel Offshore vor der Küste, muss sparsam umgegangen werden. Deswegen ist Energieeffizienz das A und O bei der Nutzung. A könnte für die Ausstattung von Immobilien mit modernen Klima- und Heizungsanlagen stehen. O steht für Organisation und optimiertes Management von Gebäuden. Integrierte Systeme sind heute technisch in der Lage, völlig autark die Zufuhr von Energie zu minimieren, ohne dass Leistung oder Komfort darunter leiden. Das intelligente Gebäude, die mitdenkende Wohnung, sind längst keine Utopie mehr sondern Pflicht. Experten für Energieeffizienz rechnen vor, dass mit klugen Investitionen und dem Einsatz ausgefeilter Managementtechnologien in der Stadt bis zu 30 Prozent und mehr Energie eingespart werden könnte. Der Strom fließt dabei durch intelligente Verteilnetze. Auf Änderungen in der Erzeugung oder der Nachfrage kann das System autark reagieren. Jeder einzelne Haushalt und jedes Unternehmen ist dank smarter IT Teil dieses Netzes.

Zum Wohlfühlen in der Stadt gehören Freiheit, Bewegung, Spontanität, Tempo. Mobilität ist Voraussetzung. Die digitale Kommunikation hat dabei die Prozesse erheblich beschleunigt. Alles ist im „Flow“. Zumindest theoretisch. Denn im Stau zu stehen oder auf eine Lieferung vergeblich zu warten, ist wenig akzeptabel. Damit alles im Fluss bleibt, werden in den Cities immer wieder neue Versuche mit Verkehrsleitsystemen erprobt und neue Strukturen geschaffen. Digitale Kommunikationsmethoden, nicht nur zwischen den Verkehrsteilnehmern, sondern auch zwischen den Fahrzeugen und vernetzten Straßen. Das frühzeitige Einbeziehen von IKT-Lösungen, vor allem das Verlegen von Leerrohren bei Erhalt, Neu- und Ausbau der Verkehrswege insbesondere in Ballungsräumen und an Hauptverkehrsachsen kann dazu beitragen, knappe öffentliche Gelder effizienter einzusetzen.

Manchmal mit erstaunlichen Erfolgen, wie gerade in Dresden, Halle oder Wien. Ein einheitliches Zugsicherungs- und Steuerungssystem sichert in Dresden ungehinderten Verkehrsfluss, höhere Geschwindigkeiten, dichtere Abstände und mehr Schienenverkehr auf bestehenden Netzen. Als Grundlage von intelligenten Verkehrssystemen muss auch der Ausbau eines sicheren, leistungsfähigen Breitbandnetzes forciert werden. 

Möglich werden dann automatische Anwesenheitserfassung in Bus und Bahn, automatische Fahrpreisermittlung auf Basis eines flexiblen Tarifmodells. Fahrgäste werden nach dem Grundsatz „Einsteigen und Fahren“ von den bisher erforderlichen Handlungen vor und während einer Fahrt (beispielsweise Ticketkauf) und den heute noch zwingend notwendigen Vorkenntnissen zum Tarif und zum Vertriebssystem weitgehend entlastet. Dies geschieht durch die vollautomatische Erfassung eines von den Fahrgästen mitzuführenden Nutzermediums in den Fahrzeugen wie elektronische Karten und Mobiltelefone.

Enorme Einflüsse von Energieeffizienz werden unterschätzt 

Weltweit geht der Trend zu effizienten Gebäuden, die wenig Energie verbrauchen und im günstigsten Falle ihre eigene Energie produzieren. Nach Untersuchungen schätzen Architekten, Ingenieure und Gebäudebesitzer, dass bis Ende 2015 mehr als die Hälfte ihrer Projekte in den Bereich nachhaltiges Bauen gehört. Dabei zahlen sich die anfänglichen Investitionen für effiziente Gebäude aus, wie der World Green Building Council in einem Report zeigt. Der deutsche Gebäudebestand macht knapp 40 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Mehr als ein Drittel des EU-weiten Ausstoßes von Treibhausgasen entfällt auf Gebäude. Mit heute verfügbaren Technologien ließe sich der Energiebedarf von alten und neu errichteten Gebäuden um 30 bis 80 Prozent verringern.

Quelle: Ernst Young, 2013

Bei der Planung und in der Entstehungsphase von Gebäuden kann ein effizientes Management Ressourcen optimal einsetzen. Die Palette reicht dabei von präzisen Mengen bei Baustoffen bis zur pünktlichen Fertigstellung des Projektes. Mit branchenspezifischen IT-Lösungen und einem kontinuierlichen Controlling gelingt es, Termin und Kosten im Plankorridor zu halten. Zum Wohle des Stadtsäckels und der Ressourcenschonung.

Techniken für eine nachhaltige Bauweise gibt es ebenso viele wie Bezeichnungen. Dämmende Baustoffe oder effiziente Heiz- und Klimatechnik tragen zum Klimaschutz bei. Rohstoffe können geschont werden, wenn statt Neubauten bestehende Gebäude saniert werden. Oder man verwendet recycelte Materialien oder nachwachsende Rohstoffe wie zum Beispiel Holz. Zum nachhaltigen Bauen, gehört auch, dass sich Gebäude optimal und platzsparend in ihre Umgebung einfügen. Schließlich haben Bewegungsfreiheit, die Verwendung natürlicher Materialien, die Vermeidung von Lärm, die Einbeziehung von Grünflächen und Erholungszonen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit der Stadtbewohner.   

Die Stadt der Zukunft ist kein statisches Modell, sondern als ein andauernder Prozess zu verstehen. Dies impliziert, dass sie niemals das Stadium der Vollendung erreichen wird. Die schlechte Nachricht dabei ist der permanente und systemgegebene Trieb zur Veränderung. Die gute Nachricht ist, und um sie geht es vor allem in dieser Publikation, die Stadt der Zukunft ist immer in Bewegung. Ihre Bewohner können kurz-, mittel- und langfristig das Treiben in ihr ständig mit Ideen und Konzepten verbessern. 

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