Mobilität 4.0

Intelligent fahren!

Von Isabell Flohr · 2017

Wie schaffen wir den Sprung zur Mobilität 4.0? Für einen sicheren, emissionsfreien Verkehr, der fließt. Innovationen wie autonomes Fahren mit umweltfreundlichem Antrieb, Carsharing und eine datenbasierte Vernetzung sollen es richten. Und am Ende fährt noch immer das Auto: Eigentlich eher ein Rechner auf Rädern.

Ein Autoschlüssel wird von einer Hand zur anderen gereicht. Car-Sharing ist ein wichtiger Teilaspekt von Mobilität 4.0
Car-Sharing ist ein wichtiger Teilaspekt von Mobilität 4.0

Gerade mal vor einem Jahr hatte Nico Rosberg seinen röhrenden Benzin-Boliden noch über die Strecke in Abu Dhabi geheizt – um endlich Weltmeister zu werden. Zur Überraschung aller stieg er direkt nach dem Sieg aus der Formel eins aus- um gleich wieder ins Auto-Business einzusteigen. Diesmal „als Investor in Start-Ups für Zukunfts-Themen, wie autonomes Fahren mit umweltfreundlichem Strom“, outete sich der 32-Jährige jetzt in einem ZDF-Interview. Der Mann mit ehemals Benzin im Blut kann sich offenbar vorstellen, in Zukunft von einem umweltfreundlichen, Strom betriebenen Robot Car chauffiert zu werden.

Laut der neuesten, repräsentativen Akzeptanz-Studie vom TÜV Rheinland im Mai 2017 hat sich die hiesige Zustimmung zur Verkehrs-Automation erhöht: So würden 76,3 Prozent der Deutschen inzwischen streckenweise intelligente Mobilität erleben wollen- zumindest bei einer fahrerlosen Fahrt durch die Stadt. Längst wird an einer urbanen Zukunftsformel für einen unfallfreien, sauberen, schnellen und sicher vernetzten Verkehr gearbeitet, im Kampf gegen einen drohenden Verkehrskollaps.

Staus kosten uns 39 Stunden pro Jahr, die Parkplatzsuche macht 30 Prozent des städtischen Verkehrs aus, der Verkehr verursacht 15 Prozent der gesamten Luftverschmutzung. Bis August 2017 ereigneten sich schon 1,7 Millionen Straßenverkehrsunfälle, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Handlungsbedarf spürt somit jeder einzelne Verkehrsteilnehmer auf den Straßen, in seiner Stadt. 

Sauber! Die gesamte Car-Sharing Flotte in Stuttgart fährt emissionsfrei.

Eine umfangreiche Studie „Digital mobil in deutschen Städten“ vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im März 2017 untersucht die 25 größten deutschen Städte auf deren mobilen Zukunftspotenziale. Und kommt zu einem umfassenden Innovationkonzept für 2030 unter der Voraussetzung, dass alle vier Komponenten, wie Autonomes Fahren, E-Mobiltät, Car-Sharing und Vernetzung zur optimalen Verkehrssteuerung zusammenwirken. Davon sind wir noch weit entfernt. Nur punktuell nehmen Entwicklungen zu einer urbanen Mobilität in den Städten und Kommunen Fahrt auf – in Pilotprojekten.

Quelle: BDEW, 2017

Für die Zukunft gerüstet: Sind deutsche Städte digital mobil?

So ist beispielsweise Hamburg mit seinem „Smart Port“ auf einem guten Weg zum vernetzten Verkehr. Im Hamburger Hafen erfassen spezielle Sensorik und intelligente Auswertungsverfahren in Echtzeit den Schiffs-, Bahn- und Straßenverkehr für eine vorausschauende Verkehrs-Steuerung ohne Staus. Andere Städte unterhalten Car-Sharing-Flotten, die ausschließlich mit Strom fahren. Mancher wurde so überzeugt, dass er umweltfreundlicher und effizienter ohne eigenes Auto fährt. Und wenn doch, dann kann man ja auch einen „Stromer“ kaufen. Trotz viel Wind (-Energie) und Werbung durch staatliche Kaufprämien sind bis dato noch immer nur 25.000 private E-Fahrzeuge auf der Straße, unter anderem wirkt auch die Reichweiten-Angst als Kaufbremse. 

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie hat reagiert und gerade die Autobahn-Raststätten mit Ladestationen ausgestattet, 15.000 im gesamten Bundesgebiet folgen.

Mobilität 4.0: 100 E-Modelle bis 2020

Die nächste Generation wird mit einer wettbewerbsfähigen Akku-Reichweite von 500 bis 600 Kilometern punkten können. Man kann genauso Luxus-E-Autos wie auch ein Spardosen-Modell unter 16.000,- Euro erwerben. Bei manchen ist der Lack schon vorher ab, stattdessen wird dort das Autodach mit Solarzellen bestückt- zum Aufladen für sich und andere. Feinstaub wird durch eingelassenes Moos gefiltert und einige Modelle sind bereits ab Werk fürs Car-Sharing konzipiert. 

Auch Softwarehersteller arbeiten zusammen mit der Autoindustrie für den Fortschritt. Mit Cloud-basierten Echtzeit-Datenplattformen für Fahrzeuge und deren Fahrerassistenzsystem, will man Autopiloten bequemer und sicher in die Zukunft begleiten. Doch der Motor bei jeglichen Innovationen ist immer noch die Kraft des Denkens und die ist schneller als jeder Verkehr. Was vor 20 Jahren noch Science Fiction war, ist heute Science Facts: „May the Force be with you”.

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