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Online-Handelsplattformen

Online-Marktplatz für die Mobilität

Von Kai Horn, Leiter Vertrieb und Marketing highQ Computerlösungen · 2019

Über die Osnabrücker Mobilitätsplattform sollen perspektivisch auch autonom fahrende Busse nutzbar sein.

Der Einkauf über Online-Handelsplattformen hat unsere Gewohnheiten nachhaltig verändert: Nie zuvor war es so bequem, Produkte verschiedener Anbieter über einen einheitlichen Zugang zu bestellen und zu bezahlen. Ebenso einfach soll künftig die Nutzung von Bahn, Bus, Carsharing und anderen öffentlichen Verkehrsangeboten über eine vom IT-Unternehmen highQ Computerlösungen entwickelte Mobilitätsplattform werden. Zu den Vorreitern der neuen, digital vernetzten Mobilität gehört die niedersächsische Stadt Osnabrück.

„Wer die Menschen aus dem Auto holen will, muss ihnen ein wirklich attraktives Angebot machen“, ist highQ-Geschäftsführer Thomas Hornig überzeugt. Die Mobilitätsspezialisten des 60-köpfigen Freiburger IT-Unternehmens machen sich schon seit vielen Jahren Gedanken darüber, wie ein Wandel hin zu umweltfreundlicheren Fortbewegungsarten gelingen kann. Der zentrale Ansatz ist dabei eine digitale Mobilitätsplattform, auf der sämtliche Verkehrsangebote einer Stadt unter einem (Software-) Dach zusammengefasst werden. Nach einmaliger Anmeldung bei der Plattform (Single Sign-on) können Verkehrsteilnehmer dann über eine zugehörige Smartphone-App beliebige intermodale Reiseketten direkt buchen. 

Dieses von Verkehrsexperten auch „nahtlose Mobilität“ (Seamless Mobility) genannte Konzept soll den Komfort-Vorsprung des privaten Autos wettmachen. „Hier liegt eine große Chance für Verkehrsunternehmen, sich als umfassende Mobilitätsdienstleister neu aufzustellen“, betont Thomas Hornig. Bei highQ werden die nötigen Software-Bausteine für das vernetzte Verkehrsangebot entwickelt, um beispielsweise eine anbieterübergreifende Abrechnung der erbrachten Verkehrsleistungen zu ermöglichen. 

Osnabrück geht voran

Zu den Vorreitern gehören die Stadtwerke Osnabrück (SWO), die seit drei Jahren ein umfangreiches Digitalisierungsprogramm für die städtischen Mobilitätsangebote in die Praxis umsetzen. In das auf dem highQ-Plattformkonzept basierende System sind bisher der städtische Busbetrieb, das lokale Carsharing-Angebot und die kommunalen Parkhäuser integriert, demnächst sollen noch abschließbare Fahrradanlagen folgen. „Dank des modularen Systemaufbaus können wir jederzeit weitere Angebote, etwa einen Verleih von Pedelecs und E-Cargobikes, ergänzen“, erklärt Maik Blome, Marketing- und Vertriebsleiter für das Mobilitätsangebot der SWO. „Nach einmaliger Registrierung stehen unseren Kunden dann sämtliche Angebote zur Verfügung.“

Was für den Fahrgast am Ende so einfach aussieht, erforderte zuvor einen nicht unerheblichen Aufwand. Insbesondere mussten die heterogenen IT-Bestandssysteme über angepasste Schnittstellen verknüpft werden, damit der Datenfluss zwischen den verschiedenen Osnabrücker Mobilitätsanbietern reibungslos klappt. Die Umsetzung des Gesamtsystems erfolgte unter Federführung von highQ als Generalunternehmer, was sich laut Maik Blome bewährt hat: „Bei Fragen und Problemen hatten wir so immer einen zentralen Ansprechpartner.“

Einmal wischen und losfahren

In vollem Umfang soll die Osnabrücker Mobilitätsplattform im Laufe von 2020 in den Realbetrieb gehen. Neben der anbieterübergreifenden Verkehrsmittelnutzung gehört dazu ein neuartiges Ticketsystem. Das sogenannte Check-in/Be-out-Ticketing macht das Busfahren für Gelegenheitsfahrer wesentlich komfortabler: Beim Einsteigen meldet man sich per Wischbewegung auf dem Smartphone an – das ist alles. Das System erkennt von allein, wo man um- und aussteigt, und ermittelt automatisch den Preis für die zurückgelegte Strecke. Ein weiterer Vorteil für die Fahrgäste ist die Bestpreisabrechnung: Alle innerhalb eines bestimmten Zeitraums absolvierten Einzelfahrten werden nachträglich zu einer Tages- oder Wochenkarte verrechnet – der Kunde zahlt so stets das günstigste Ticket. „Mit diesem System sind wir in Osnabrück bundesweit Vorreiter“, betont Maik Blome.

Mit ihrer Mobilitätsplattform hat die niedersächsische Großstadt auch gleich die Weichen für die digitale Zukunft des Nahverkehrs gestellt. Marketingleiter Blome gibt einen Ausblick auf das Jahr 2030: „Der öffentliche Verkehr in Osnabrück wird vernetzt, digital, elektrisch und autonom sein und den Fahrgästen eine lückenlose, multimodale Mobilitätskette von Tür zu Tür anbieten.“ Dazu gehören künftig auch fahrplanlose On-Demand-Services für die letzte Meile. „Wir wollen die öffentliche Mobilität in Osnabrück so komfortabel machen, dass man das eigene Auto gar nicht mehr vermisst“, lautet das ambitionierte Ziel.

Vernünftiges Mobilitätsverhalten belohnen

Selbst mit dem besten Angebot ist es erfahrungsgemäß schwierig, eingefleischte Autofahrer zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr zu bewegen. Bei highQ hat man daher eine noch weitergehende Strategie entwickelt, die neben den Verkehrsmitteln des Umweltverbunds auch den privaten Pkw in den Mobilitätsmix einbezieht. Das Konzept: Über die highQ-App mytraQ erhalten Berufspendler individuelle Reiseempfehlungen, die auf aktuellen Verkehrsdaten und dem Verhalten anderer mytraQ-Nutzer basieren. Ballt sich irgendwo der Verkehr, schlägt ihnen die App weniger belastete Alternativrouten vor oder empfiehlt einen Umstieg auf den ÖPNV, Carsharing oder eine Kombination verschiedener Verkehrsmittel. 

Wer die Ratschläge der App befolgt, wird gleich doppelt belohnt: Zum einen gelangt er schnell und stressfrei an sein Ziel und zum anderen erhält er „Zeitmeilen“ gutgeschrieben; diese lassen sich später in Freifahrten, kostenlose Parkzeiten oder Einkaufsrabatte eintauschen. Dass solche Bonussysteme wirken, bestätigen Forschungsergebnisse: Ist in einem Ballungsraum ein ausreichendes öffentliches Verkehrsangebot vorhanden, lässt sich das individuelle Mobilitätsverhalten hinsichtlich Verkehrsmittelwahl, Fahrtstrecke und Uhrzeit durch ideelle oder monetäre Anreize in die gewünschte Richtung lenken. In Stuttgart wurde das Konzept unter dem Projektnamen moveBW bereits eingehend getestet und geht demnächst in den Realbetrieb.

Neben den Verkehrsteilnehmern profitieren auch die Städte, indem die Verkehrsflüsse zeitlich und räumlich entzerrt und besser auf die vorhandene Infrastruktur verteilt werden. Aber auch Wirtschaftsunternehmen können mit Hilfe von Zeitmeilen ihre Belegschaft zur häufigeren Fahrradnutzung oder zur Bildung von Fahrgemeinschaften motivieren und so beispielsweise Parkflächen effizienter bewirtschaften und ihre Umweltbilanz verbessern. Fazit von highQ-Geschäftsführer Thomas Hornig: „Es ist in jedem Fall sinnvoller, einen vergleichsweise kleinen Betrag in intelligente Mobilität zu investieren als einen großen in weitere Straßen oder Parkplätze.“

highQ Computerlösungen GmbH

Das 1996 in Freiburg gegründete Software-Unternehmen unterstützt Kommunen, Verkehrsunternehmen und Finanzinstitute mit innovativen IT-Lösungen bei der effektiven Planung, Durchführung, Optimierung und Überwachung ihrer Aufgaben. Im Bereich Mobilität will highQ dazu beitragen, den öffentlichen Personenverkehr flüssiger und umweltfreundlicher zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei das Konzept der Mobilitätsplattform, die verschiedene Anbieter von Verkehrsleistungen digital vernetzt; in Osnabrück und im Schwabenbund sind bereits die ersten Projekte erfolgreich in den Echtbetrieb gegangen. Zurzeit beschäftigt highQ rund 60 Mitarbeiter an den vier Standorten Freiburg, Berlin, Hamburg und Stuttgart. www.highQ.de

Kontakt

highQ Computerlösungen GmbH
Schwimmbadstr. 26
79100 Freiburg
E-Mail: info@highQ.de
Web: www.highQ.de

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