Smarte Tools

Smarte neue Wohnwelt

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2021

Digital vernetzte Geräte und Systeme erobern die Wohnzimmer. Und die Deutschen sind durchaus offen für die smarten Tools, versprechen sie doch vor allem Komfort und Energieeinsparung. Nicht vergessen werden sollte dabei jedoch die Sicherheit.

Frau sitzt am Schreibtisch in einem smarten Wohnzimmer
Foto: iStock/ metamorworks

Pünktlich zum Klingeln des Weckers dreht die Nachttischleuchte behutsam das Licht an, langsam fahren die Rollläden hoch. Aus der Küche strömt bereits frischer Kaffeeduft herüber. Aus den Boxen ertönt sacht die Lieblingsmusik – immer nur exakt in dem Raum, in dem man sich gerade aufhält. Das Duschwasser ist angenehm warm, der energiesparende Heizkessel hat es perfekt zur präferierten Duschzeit auf die gewünschte Temperatur gebracht. In der Garage startet das Elektroauto die Standheizung, der Akku ist voll, der Wagen bereit. Automatisch gehen die Heizungen bei Verlassen des Hauses in den Energiesparmodus. Vergessene Fenster schließen von selbst und der Saugroboter startet seine Tour durch die Wohnung.

So oder so ähnlich könnte sie aussehen, die smarte neue Wohnwelt. Möglich macht sie das Internet der Dinge (Internet of Things / IoT). Schon heute nutzen 37 Prozent der Verbraucher digital vernetzte Geräte und Systeme in den eigenen vier Wänden, hat der Branchenverband Bitkom in einer repräsentativen Befragung unter 1.465 Personen in Deutschland ab 16 Jahren ermittelt. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als noch im Jahr zuvor. Jeder Zweite würde zudem am liebsten alle technischen Geräte miteinander vernetzen und digital steuern. Nicht einfach so, sondern nach persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten, zentral gesteuert von einem Computer und einer lernfähigen Software. Ganz komfortabel, aus Spaß an der Technik, aber auch um die Sicherheit und Energieeffizienz zu verbessern. „Das Zuhause der Zukunft ist smart. Dabei geht es nicht mehr nur um eine Lampe, die per App gesteuert wird, oder um einen Rasenmäher, der autonom das Gras kurz hält – es geht um die durchgängige Vernetzung der Geräte untereinander und ihre Steuerung über eine gemeinsame Plattform“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Immer mehr smarte Tools

Glaubt man den Prognosen des Bundeswirtschafsministeriums, wird der Umsatz im Bereich Smart Home bis 2025 auf 19 Milliarden Euro anwachsen. Ziel der digital vernetzten Systeme sei es, Wohnqualität, Sicherheit und Energieeffizienz der heimischen vier Wände zu erhöhen. „Das Smart Home ist keine Science-Fiction: Smart-Home-Lösungen können das Leben schon jetzt komfortabler, sicherer und vor allem klimafreundlicher machen“, betont auch Bitkom-Chef Rohleder.

Und die Verbraucher sind durchaus offen für die smarten Lösungen. So würden sich laut der Bitkom-Befragung 72 Prozent der Teilnehmer freuen, wenn die Kaffeemaschine morgens ganz automatisch frischen Kaffee kocht. Immerhin noch 48 Prozent würden sich einen Backofen anschaffen, der lernt, wie kross die Bewohner ihren Braten mögen. Und 27 Prozent fänden es o.k., wenn ihr Zuhause Paketboten und Handwerkern eigenständig die Tür öffnet.

Andere Anwendungen muten weniger futuristisch an, werden sie doch schon zahlreich genutzt. So haben 23 Prozent der Deutschen ihr Zuhause mit intelligenten Lampen und Leuchten ausgestattet und miteinander vernetzt. Um die Temperatur je nach Anwesenheit zu regulieren und so Heizenergie zu sparen, nutzen 15 Prozent intelligente Heizkörperthermostate. Smarte Steckdosen verwenden 13 Prozent. Die Rollläden öffnen und schließen in elf Prozent der deutschen Haushalte bereits automatisch. Und Staubsaugerroboter schwirren durch neun Prozent der Wohnzimmer.

Verbraucher wollen Komfort und Energieeffizienz

Als Hauptgründe für die Nutzung von Smart-Home-Anwendungen nennen die Verbraucher vor allem Komfort und Lebensqualität (72 Prozent) und mehr Sicherheit (65 Prozent). Zudem sind 60 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass Smart-Home-Anwendungen die Energieeffizienz verbessern können. So setzen 35 Prozent der von der Bitkom Befragten, die in den kommenden zwölf Monaten neue Smart-Home-Lösungen anschaffen wollen, auf Anwendungen zum smarten Heizen oder Beleuchten, dahinter folgen intelligente Verbrauchszähler (29 Prozent) und Funk-Steckdosen (23 Prozent).

Sicherheit nicht außer Acht lassen

Doch die rundum vernetzte Wohnwelt birgt auch Gefahren. Denn jedes Gerät, das mit dem Internet verbrunden ist, ist gleichzeitig auch ein potenzielles Einfallstor für Cyberkriminelle. Die größten Sicherheitsrisiken lauern nach Angaben der Sicherheitsexperten des IT-Security-Anbieters Avast bei Netzwerkgeräten (31,2 Prozent), Druckern (29,0 Prozent), NAS oder Netzwerkspeichern (21,0 Prozent), Sicherheitskameras (11,6 Prozent), Media-Boxen (2,5 Prozent), Fernbedienungen (0,6 Prozent), Tablets (0,2 Prozent) und Spielekonsolen (0,1 Prozent).
„Der Schutz vor Cyberangriffen muss fester Bestandteil der Produktsicherheit werden“, forderte auch Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands, anlässlich des Safer Internet Day. Während die elektrische und funktionale Sicherheit von Produkten bis ins Detail gesetzlich geregelt sei, fehlten Anforderungen an die digitale Sicherheit. „Die Sicherheitsbedenken der Verbraucher bremsen die Entwicklung des Smart-Home-Marktes aus.“ So würden nach Angaben einer Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands 39 Prozent der Befragten auf den Kauf von Smart-Home-Produkten verzichten, weil sie Angst vor Cyberangriffen haben. „Die Prüfung und Zertifizierung smarter Produkte soll das Sicherheitsniveau erhöhen und Verbrauchern eine bessere Orientierung bei der Kaufentscheidung bieten.“

Grafik: Umfrage: Welche Smart-Home-Geräte nutzen Sie in Ihrem Haushalt?
Quelle: Bitkom Research, 2020

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