Mobilitätsplattformen

Suche nach der bundesweiten Mobilitäts-Killer-App

Von Daniela Hoffmann · 2019

Die ersten Mobilitätsplattformen sind in Betrieb gegangen und zeigen beispielhaft, wie eine bundesweite Anwendung aussehen könnte. Doch dahin scheint der Weg lang zu sein. Zweifellos sollen Bahn, Flug, Öffentliche Verkehrsträger, E-Bike und Carsharing sowie Parkhäuser auf eine Plattform kommen. Aber über die Wertschöpfung der Konzepte wird kontrovers diskutiert.

Geschäftsmann sitzt in der Bahn und nutzt sein Smartphone. Thema: Mobilitätsplattformen
Die Mobilitätsplattform navigiert Menschen durch die Metropole. Foto: iStock / tommaso79

Erst vor kurzem wurde auf dem Digitalgipfel ein Grundlagenpapier der Fokusgruppe digitale Mobilitätsplattformen verabschiedet. Darin wird zwischen Plattformen unterschieden, mit denen sich eine Reise planen lässt und solchen, die den Reisenden unterwegs auf Basis von Echtzeitdaten Hinweise zu Alternativen geben, sobald irgendwo Probleme auftreten. 

Das Herumstehen an Parkscheinautomaten oder die Hetze zum Fahrkartenschalter in letzter Minute könnte damit auch der Vergangenheit angehören. Die Plattformen sollen gleich die Tickets oder andere Produkte wie Parkscheine verkaufen. Schon jetzt gibt es viele regionale Mobilitätsplattformen, bei denen Fahrten über das Smartphone geplant und verkauft werden. Doch das was fehlt, ist die übergreifende Lösung, die bundesweite Mobilitäts-Killer-App. 

Mobilitätsplattformen: Verschiedene Anbieter zusammenbringen

Als Vision stellt man sich in der Fokusgruppe vor, dass sich die Nutzer gar keine Gedanken mehr um Tickets machen müssen. Stattdessen sollen sie am Ende des Monats eine Sammelrechnung über alle gefahrenen Strecken und genutzten Parkplätze erhalten. Experten der Fokusgruppe gehen davon aus, dass deutsche Unternehmen, speziell auch die Anbieter von Hintergrundsystemen, hier noch nicht den Anschluss an die großen Tech-Player verloren hätten. Der Markt sei komplex, so die Meinung der Experten, weil für echte multimodale Mobilität sehr viele verschiedene Anbieter zusammengebracht werden müssten. Dazu gehören vor allem die vielen regionalen Verkehrsverbünde. Bereits Ende 2017 wurde die Studie „Digitale Mobilitätsplattformen“ des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur abgeschlossen, veröffentlicht wurde sie aber erst vergangenen August. Die Studie sollte nötige Gesetzesänderungen und ihre sozioökonomischen Folgen abwägen, unter anderem rund um Taxipreisbindung und -konzessionen oder die Rückkehrpflicht von Mietwagen. 

Alle Technologien sind vorhanden

Technisch gesehen ist eine übergreifende App und Plattform durchaus umsetzbar. Mit Cloudplattformen, Echtzeittracking, Big Data und Analysen auf Basis von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz ist die technologische Seite ausreichend gereift. Im Grunde ist es eine Fleißaufgabe, die unterschiedlichen regionalen Lösungen als Vorbild zu nehmen, sie zu verbinden und über eine Plattform abzubilden. Doch davon scheint das Land noch weit entfernt zu sein. Dass das Thema bundesweite Mobilitätsplattformen nur langsam in Bewegung kommt, könnte auch daran liegen, dass viele Player das Geschäftsmodell und die Wertschöpfung hinter den übergreifenden Lösungen nicht erkennen.

Es ist unklar, ob sich das Geschäftsmodell rechnet

Vor allem bei der Frage, ob Nutzer bereit sind, für die angebotenen Dienstleistungen extra zu zahlen oder überhaupt ihre Daten preisgeben möchten, sind Berater und Marktanalysten skeptisch. Sie verweisen auf Umfragen, nach denen 76 Prozent der Menschen zwar bereit seien, ihre Ortsdaten mit Mobilitäts- und Navigationsanbietern zu teilen. Voraussetzung sei aber, dass der Nutzen klar ist. Zusätzlich geben drei Viertel der Befragten an Vorbehalte zu haben, überhaupt persönliche Informationen auf digitalem Wege weiterzugeben.

Quellen:
Wolfsburg "Wettbewerb Zukunftsstadt"
Stuttgart "Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur"
Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein "Saubere Luft für Kiel"

Wussten Sie schon, dass …

… viele Unternehmen an intelligenten Parkplatz-Lösungen arbeiten? Ein Ziel: Wenn Autofahrer wissen, wo ein Parkplatz frei wird, lässt sich nicht nur Zeit sparen, sondern auch die Umwelt und der Verkehr entlasten. Studien zufolge soll der Markt bis 2025 auf 43 Milliarden US-Dollar anwachsen. Noch wird dabei überwiegend mit analytischen Prognosedaten gearbeitet, die dem Fahrer anzeigen, wo sich am wahrscheinlichsten ein freier Parkplatz findet. 

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