Smart Building

Immobilien mit System

Von Michael Gneuss · 2018

Von modernen Gebäuden wird immer mehr Intelligenz erwartet. Automatische Anwendungen erhöhen die Energieeffizienz, senken die Betriebskosten und steigern den Komfort für die Nutzer. Doch die starke Vernetzung bietet auch ein Einfallstor für Angriffe. Gebäudesicherheit bekommt eine neue Dimension.

Grafische Darstellung einer Skyline einer Großstadt. Thema: Smart Building

Brick and Mortar – Ziegelstein und Mörtel – wurde zum Jahrtausendwechsel als Synonym für die Old Economy verwendet, im Gegensatz zu den damaligen jungen Firmen, die ihre Produkte schon in Online-Shops verkauften. Mittlerweile passt das Bild nicht mehr so richtig, denn jetzt lernen auch die Mauern das Denken. In modernen Immobilien legen Architekten die Intelligenz unter Putz – die Zukunft gehört den Smart Buildings. 

Was ein intelligentes Gebäude alles kann, will der österreichische Projektentwickler CA Immo in Berlin in der Nähe des Hauptbahnhofs mit dem „cube berlin“ zeigen. Die intelligente Gebäudetechnik werde die Anforderungen und Wünsche des Nutzers an jedem Ort erkennen und sich optimal anpassen, versprechen die Planer. Mehr als 100 Millionen Euro will das Unternehmen in den Neubau, der als Vorzeigeobjekt für das Digitalzeitalter gilt, investieren. In dem Projekt geht es nicht mehr um einzelne Anwendungen, sondern um die Vernetzung der gesamten Gebäudetechnik und die Zusammenführung in einem zentralen Steuerungssystem. Das besondere dabei: Es handelt sich um ein selbstlernendes System. Auf diese Weise soll der Betrieb der Immobilie immer effizienter werden und das Gebäude seine Nutzer immer besser kennenlernen, um deren Bedürfnisse immer besser zu bedienen. 

Bestandteil der Smart City

Gebäude wie der cube sind aber weit mehr als digitale Schauplätze. Diese Smart Buildings sind Bestandteil einer Smart City und passen sich in das Leitbild einer modernen Stadtplanung ein. Sie entsprechen den Anforderungen der modernen Arbeitswelt und dem Lebensgefühl einer neuen Generation. Dazu gehören gemischte Nutzungen ebenso wie flexible Raumstrukturen – aus Büros werden Coworking Spaces. Der Schreibtisch für den nächsten Tag kann online reserviert werden. Das System weiß, welche Anforderungen der Nutzer hat und sorgt dafür, dass der Arbeitsplatz entsprechend hergerichtet wird. Erscheint der Mitarbeiter am nächsten Tag, kann er nach Registrierung mithilfe der Inhouse-Navigation in den richtigen Stock und in den richtigen Raum geleitet werden. 

Auch beim Kostensparen hilft die intelligente Immobilie. Beispiel: Findet in einem Konferenzraum an einem Tag kein Meeting statt, zeigt das System am nächsten Tag dem Raumpflegepersonal die Nichtnutzung an. Denn das, was noch sauber ist, muss nicht noch einmal sauber gemacht werden.

Immobilien, die nicht über die digitalen Voraussetzungen für solche Anwendungen verfügen, könnten im Wettbewerb um Mieter bald ins Hintertreffen geraten. Neben der Lage wird die Anbindung an schnelle Netze und die Ausstattung mit Sensoren und Steuerungselementen bald zum wichtigsten Argument bei der Immobiliensuche. 

Anforderungen der EU

Zudem ist eine effiziente Energieversorgung ohne Intelligenz im Gebäude immer weniger vorstellbar. Dabei wächst der Druck auf geringere Energieverbräuche auch deshalb, weil die Gesetzgebung in der EU die Anforderungen noch einmal kräftig nach oben schraubt. Ab dem Jahr 2021 müssen alle Neubauten das Niveau von Nullenergiehäusern erreichen. Bei öffentlichen Gebäuden gilt diese Auflage schon ab dem kommenden Jahr. 

Um diese Ziele zu erreichen, wird die Gebäudeautomation zum Schlüsselelement für Energieeffizienz. Dabei müssen zum Beispiel Heizungs- oder Rollladensteuerung zusammengeführt und mit dem Lichtsystem und der Klimatechnik vernetzt werden. Gerade für die Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien werden automatisierte Lösungen benötigt, weil je nach Verfügbarkeit auf verschiedene Energiequellen zurückgegriffen werden muss.

Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), 10/2017

Mehr künstliche Intelligenz

Eine zunehmende Rolle wird die künstliche Intelligenz im Smart Building spielen. Das Marktforschungsunternehmen Market and Research hat den Markt für IoT-Lösungen in Smart Buildings untersucht. IoT steht für das Internet of Things, das Internet der Dinge, in dem Geräte untereinander Informationen austauschen, um Prozesse zu automatisieren. Bis 2023 wird den Marktforschern zufolge jede dritte dieser Lösungen mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sein. Insgesamt, so schätzt das Institut, wird der Markt für Automationssysteme in Smart Buildings zwischen 2018 und 2023 um 48,3 Prozent wachsen. 

Smart Building – Nullenergiehäuser im Neubau

Immer mehr Gebäudeautomations­systeme sind aber über integrierte Komponenten und Cloud-Lösungen auch online zugänglich. Experten warnen davor, dass hierbei IT-Sicherheitslücken schon heute ausgenutzt werden. Die Mehrzahl der Fälle wird jedoch nicht veröffentlicht. Die Folge der Angriffe können Datenverluste und Störungen der Betriebsabläufe und am Ende hohe wirtschaftliche Schäden sein. Prognosen des Marktforschungsunternehmens Gartner gehen davon aus, dass Ende dieses Jahres 20 Prozent aller Smart Buildings von „digitalem Vandalismus“ betroffen sein werden.    

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