Regenerative Energien

Solarkraftwerk auf dem Hausdach

Von Christian Raum · 2020

Investoren wollen ihr Geld für den Klimaschutz in nachhaltigen Energien anlegen. Deshalb sucht die Photovoltaik-Branche händeringend nach Flächen, auf denen sie Strom produzieren kann. Im Zuge der urbanen Transformation bieten sich viele Flächen auf Hausdächern an. Doch ein bizarrer Streit kann den bisherigen Erfolg in Frage stellen.

Photovoltaikanlage auf einem Hausdach
Foto: iStock/Bilanol

In den vergangenen Jahren haben tausende Kleinanleger und Investoren ihr Geld in der Produktion von sauberem Strom angelegt. Neben den Renditeversprechen ist ein weiterer wichtiger Grund für die Investitionen der Wunsch, den Erfolg der grünen Energien zu unterstützen. Die Geldanlage für eine saubere Zukunft gilt unter ethischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten als vorbildlich. Fortschrittlich und ökologisch denkende Politiker argumentieren bei den Diskussionen um die weitere steuerliche Förderung der erneuerbaren Energien mit einer Stärkung der regionalen Wirtschaft. In vielen Rechenbeispielen zeigen sie große wirtschaftliche Effekte für Städte und Kommunen. Und tatsächlich haben erneuerbare Energien in einigen Regionen Deutschlands für einen wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt.

Harte Verhandlungen um den „Solardeckel“ 

Doch jetzt schlagen die Industrievertreter aus dem Bereich der erneuerbaren Energien Alarm. Laut deren Darstellung steht nicht nur die sichere Versorgung mit sauberem Strom in Deutschland in Frage. Auch die gesamte Industrie rund um die erneuerbaren Energien fürchtet einen Einbruch. Das ist auch deshalb eine unerwartete Meldung, weil die Produzenten der erneuerbaren Energien 2019 gerade ein Rekordjahr beendet haben. Laut Medienberichten habe die Branche fünf Prozent mehr Strom erzeugt – heute stammen mehr als 45 Prozent der Elektrizität aus erneuerbaren Quellen.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, 2020

Doch Marktexperten warnen, dass womöglich schon ab Sommer die starken Zuwächse Geschichte sein könnten. Bei Windrädern sei die Zahl der Neuinstallationen bereits deutlich gesunken, in der Industrie gingen nach Darstellung des Branchenverbandes zehntausende Arbeitsplätze verloren. Bei der Photovoltaik gab es zwar seit 2017 jedes Jahr deutliche Steigerungen, doch auch hier macht sich der Verband Sorgen – denn schon zur Mitte des Jahres könnten die Förderungen für neue Solaranlagen wegfallen.

Bizarrer Streit um Windräder

Schuld seien konservative Wirtschaftspolitiker, heißt es bei den Vertretern der erneuerbaren Energien. Laut deren Darstellung liegt den Diskussionen um die weitere Förderung ein Streit zugrunde, wie nahe Windräder an Siedlungen gebaut werden dürfen. Im nächsten Schritt hatten die Politiker eine mögliche Einigung mit dem Schicksal der Photovoltaik verbunden: Gäbe es beim Streit um den Abstand der Windräder keine Einigung, würden sie sich auch beim sogenannten „Solardeckel“ nicht bewegen.

Hintergrund ist, dass die Bundesregierung im Jahr 2012 beschloss, ab einer insgesamt installierten Leistung von 52 Gigawatt die Förderung für neue Solaranlagen zu streichen. Nach dem erfolgreichen Jahr 2019 produzierten die Anlagen bereits eine Strommenge von insgesamt 50 Gigawatt. So rückt die obere Grenze der steuerlichen Förderung immer näher. Experten rechnen damit, dass die noch geförderten zwei Gigawatt bis spätestens Sommer installiert sein werden. 

Förderung von Dachanlagen steht auf der Kippe

Die Strom-Erzeugungskosten für Solarstrom seien seit 2012 sehr stark gesunken, geben die Experten zu bedenken. Deshalb erwirtschafteten viele klassische Solaranlagen eine gute Rendite und seien auf die Förderung nicht angewiesen. Probleme sähen sie allerdings an anderer Stelle: Ausgerechnet für die aufwendigeren und teuren Hausdachanlagen drohe des Ende, weil deren Förderung nicht mehr gesichert scheint. Und das, obwohl ihre Sinnhaftigkeit außer Frage steht. Sie bringen die saubere Stromerzeugung in die Städte und können Häuser oder Wohnanlagen, Industriebauten oder Behörden weitgehend unabhängig von großen Stromproduzenten versorgen.

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