Vorteile von Elektrobussen

Pendler aus dem Umland: Neue Busse braucht das Land

Von Christin Hohmeier · 2018

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse bei Verkehr und Energie. Eine entscheidende Disziplin ist die Einführung neuer Mobilitätssysteme. Damit könnten sich auch Elektromobilität, fahrerlose Busse und Bahnen durchsetzen.

Fahrgäste steigen in einen Bus. Thema: Vorteile von Elektrobussen. Quelle: Getty Images Plus / dusanpetkovic
Pendlerinnen werden auf dem bestmöglichen Weg in die Stadt befördert. Quelle: Getty Images Plus / dusanpetkovic

Haltestellen und Bahnhöfe, Zug- und Buslinien sowie deren Taktung in Fahrplänen spiegeln vor allem in Städten den Rhythmus der Menschen. Doch in ländlichen Regionen ist der öffentliche Nahverkehr kaum von Bedeutung. Ein typisches Problem ist, dass für die Kunden die Angebote zu wenig flexibel sind und sie deshalb ihr Auto vorziehen. 

Dies bedeutet für die Verkehrsplaner ein gigantisches Problem – die Pendler aus dem Umland vervielfachen den Autoverkehr, die Luftverschmutzung und auch den Lärm in den Innenstädten. Neben der Schiene auch auf der Straße einen sauberen, elektrisch betriebenen Verkehrsfluss anzubieten, könnte Qualität und Wert der städtischen Quartiere deutlich erhöhen. 

Doch die Logik des öffentlichen Nahverkehrs scheint es zu sein, dass in Hauptverkehrszeiten Busse und Bahnen voll sind. Zu allen anderen Zeiten sind sie dagegen nur schlecht genutzt. Und die Fahrgäste empfinden die eingesetzten Fahrzeuge der Verkehrsgesellschaften entweder als zu klein und zu unbequem oder – wenn sie allein im Bus sitzen – als viel zu groß. Vor allem die schlechte Nutzung erscheint in den Bilanzen der Anbieter als verlustreiche Zeit mit tiefroten Zahlen. 

Vorteile von Elektrobussen: Abschied von Fahrplan, Dieselmotor und Fahrerin

Jetzt haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieses Problems angenommen. Sie versuchen, die alten Gesetzmäßigkeiten rund um Bahn und Busse, Linienführung und Takt aufzubrechen. Und wie es scheint, werden Fahrgäste von einigen Säulen des öffentlichen Busverkehrs Abschied nehmen: Die Bushaltestelle wird ebenso obsolet wie die feste Buslinie, die Haltepunkte und Orte verbindet. Offensichtlich werden ohne Linienführung auch Fahrpläne überflüssig. Und weil die Forscher gerade alles umkrempeln, verschwindet mit Linienführung und Fahrplan auch der gute alte Dieselmotor – und womöglich sogar die Fahrerin. 

Eine Flotte aus führerlosen Elektrobussen braucht auf keine Arbeitszeiten Rücksicht zu nehmen. Entsprechend der Nachfrage surren mal ein, mal fünf Busse vom Hof und sammeln die Fahrgäste ein. 

Und neben den Fahrerinnen und Fahrern sparen die Busunternehmen auch Kosten für Kraftstoffe, Maschinenöle und Wartung. Elektrobusse benötigen lediglich eine Steckdose zum „tanken“ – Dieseltanks auf den Busbetriebshöfen und das hier gebundene Kapital werden bald Vergangenheit sein.

Big-Data-Anwendungen analysieren Nachfragen

Das neue Konzept für die Beförderung insbesondere auf dem Land und für Pendler in die Städte hinein heißt „Busfahren-on-Demand“. Gemeinsam mit den Anbietern grübeln die Wissenschaftler über die neuen Herausforderungen und deren Umsetzung – sowie deren gesellschaftliche Folgen.

Offensichtlich steht die Kommunikation im Zentrum aller möglichen Konzepte. Die Idee ist: Fahrgäste teilen ihre Wünsche mit, die Leitstelle disponiert Busfahrer und Fahrzeuge. Für die Fahrgäste wird eine der in der modernen Welt unvermeidlichen Smartphone-Apps programmiert. Aber auch die Übermittlung von Fahrtwünschen über Computer oder Telefon muss
möglich sein. 

Auf der Anbieterseite benötigen Busfahrer wie Leitstellen Geräte, Anwendungen und Nutzeroberflächen, um Fahrtwünsche auszuwerten und umzusetzen. Eine Big-Data-Anwendung analysiert die Nachfragen der Fahrgäste und erstellt mögliche Angebote für die Verkehrsbetriebe. Mit Programmen zur Datenanalyse ermitteln die Computer die wahrscheinliche, zukünftige Nachfrage. Jetzt können sie je nach Zahl der zu erwartenden Fahrgäste, für ganze Regionen immer neue, individuelle Routen berechnen.

Energieverbrauch und Emissionen niedrig halten

Und mit der neuen Routenplanung sollen auch die Verluste für nicht ausgelastete Fahrten geringer werden. Die wichtigen Navigationspunkte für die Elektroflotten sind die Ladestationen für die Batterien. Die Ladung der Batterie entspricht dem für die geplanten Strecken benötigten Strom. Dieser Strom wird zu den jeweils aktuellen Tages- oder Nachtpreis abgerechnet. Die Analysesysteme zeigen die exakten Einnahmen und Kosten jeder Fahrt auf den Eurocent genau an.

Ziel der Wissenschaftler ist es, nicht nur zukunftsweisende Mobilitätskonzepte zu entwerfen, mit denen die Anbieter die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs steigern. Die Wahl der bestmöglichen Routen entsprechend der aktuellen Nachfrage schließt die Fahrt über unnötige Strecken und Umwege aus. Der Wechsel zu Bussenflotten deren Größe, Zahl der Sitzplätze und Innenraumgestaltung an die Fahrgastzahlen und -bedürfnisse angepasst sind, wird möglich. 

Nach vielen Jahren des sehr teuren – dafür aber zu verschiedenen Zeiten kaum genutzten – öffentlichen Nahverkehrs wollen die Verantwortlichen alle Beteiligten mit in die neue ÖPNV-Zeitrechnung nehmen.

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